Cornalin – Walliser Botschafter für grosse Weine

par Chandra Kurt Geschichte

Walliser Gedanken von Chandra Kurt Nr 3

Sowohl im Rebberg, wie auch im Glas geht der Cornalin eigene Wege. Im Rebberg ist er der «erste farbige Wein im Wallis», zumal sich sein Blattwerk sehr früh verfärbt. Im Glas ist er dunkler, als die meisten anderen Wallier Weine – inklusive des Syrah. Seine rote ins violette übergehende Farbe ist von einmaliger Intensität. In der Nase merkt man Aromen von roten Früchten (schwarze Johannisbeeren, Kirschen und Brombeeren). Als junger Wein tendiert der Cornalin speziell durch seine hochkonzentrierte Seite aufzufallen und vermittelt schnell einmal einen temperamentvollen, ungezähmten Eindruck. Lässt man ihm etwas Reifezeit (2-3 Jahre) hinterlässt er im Mund einen mächtigen und langen Eindruck. Seine fruchtige Konzentration, die stark an schwarze Kirschen denken lässt, sowie seine schwache Säure machen ihn zu einem Wein mit einem samtigen Charakter. Je älter er wird, desto stärker kommen Gewürznoten, wie Pfeffer, Gewürznelken und Zimt hervor. Die intensiven Gerbstoffe lassen mit der Zeit nach. Wie der Humagne Rouge passt auch der Cornalin hervorragend zu Wildgerichten.

Cornalin ist eine Traubensorte, die nicht einfach zu kultivieren ist. Die hohen Ansprüche, welche das launenhafte Gewächs an den Winzer stellt, führten dazu, dass der Cornalin Mitte des letzten Jahrhunderts im Walliser Rebberg beinahe nicht mehr zu finden war, denn bei der durch die Reblausbedrohung bedingte Neupflanzung des Rebberges wurden ertragsreichere und leichter zu pflegende Rebsorten bevorzugt. Nicht desto trotz hat sie auch Vorteile: sie begnügt sich mit den kärglichsten Böden, verträgt den härtesten Winterfrost und bleibt fast ein Jahrhundert lang produktiv.

2002 fand Rebforscher Dr. José Vouillamoz in den Labors der University of California in Davis heraus, dass der Walliser Cornalin aus einer natürlichen Kreuzung der Sorten Mayolet und Petit Rouge hervorgegangen ist. Die Traube wurde 1313 zum ersten Mal im Register von Annivisier (eine der ältesten Urkunden, welche von den Wallis angebauten Reben spricht) erwähnt. In der Urkunde wird vom Verkauf von Weinbergen in der Gegend von Granges gesprochen. Es ist die Rede von einem «Zins von drei Sorten gut ausgereifter Trauben, scilicet de Neyrum, de Humagny et de Regy», Reben, die wir heute unter dem Namen Cornalin du Valais, Humagne Blanche und Resi kennen. Die Winzerin Madeleine Gay erzählte mir einmal zum Cornalin: «Als ich noch ganz jung war trank ich bei meinem Grossvater zum ersten Mal einen Cornalin. Das war der beste Walliser Wein, den ich damals je genossen hatte. Später habe ich gelernt, dass die Kultivierung dieser Sorte eine reine Nervensache ist und ich verstand, warum mir andere Winzer davon abgeraten hatten. Nichts desto trotz schlägt mein Herz für diese historisch wichtige Walliser Traubensorte.»

 

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