Heroische und schwindelerregende Weinlese

par France Massy Aktualität

Unsere Landschaften sind von Weinbergen geprägt, die dem Himmel näher zu ein scheinen als dem Boden. Von Vionnaz bis Niedergestein geht es auf Entdeckungsreise aussergewöhnlicher Parzellen.

Für einige wird die Weinlese, die ihrem Ende zugeht, mühsamer gewesen sein als für andere. Wenn man sie die Hänge mit 30 bis 50 Grad Abschüssigkeit bearbeiten sieht, sagt man sich, dass dort sicher eine gewisse Verrücktheit herrscht, nämlich unter diesen Winzern, die darauf bestehen ihre Weinberge zu erhalten.

In den letzten Jahren hat sich der Walliser Weinberg von 5266 ha im Jahre 1991 auf 4906 ha heute verkleinert. Diese Verminderung liegt unter anderem an der Nutzung des Bodens als Baugrund, der sich als wesentlich ertragreicher ausweist als der Weinanbau, aber auch an der Aufgabe von Parzellen, deren Zugang so schwierig ist, das mechanische Mittel nicht eingesetzt werden können und so die Produktionskosten letztendlich verdoppelt oder verdreifacht werden. Andere Parzellen liegen brach, weil Sonntagswinzer ermüden und keine Nachfolger haben.

Wir lassen Sie die Unermüdlichen entdecken, die keine Angst vor der Leere unter den Füssen haben, als ob diese abschüssigen Gelände ein Garant für mehr Authentizität wären, als ob die schwere Arbeit ein Plus bedeuten und dem göttliche Tropfen zusätzliches Leben einflössen würde. Als ob die Nähe des Himmels den Reben, die an steilen Hängen ihr Gleichgewicht halten, und deren Beeren ein wenig Poesie einhauchen würde.

Clos de la Couta in Vex: Reisfeldern ähnlich

„Der dem Matterhorn im Vogelflug am nächsten gelegene Weinberg“ dixit Gilles Besse. Ein aussergewöhnliches Schmuckstück, das sich an eine isolierte Schlucht unterhalb von Vex anschmiegt. 17000 m, die die Gemeinde, die Eidgenossenschaft und die ungefähr vierzig Besitzer wieder rehabilitieren wollten. Der Weinkeller Jean-René Germanier mietet diesen stark abschüssigen Weinberg, kümmert sich um dessen Instandsetzung und bepflanzt ihn mit Pinot Noir und Heida. Der Clos de Couta erstreckt sich von 650 Metern auf eine Höhe von 850 Metern und erinnert an die in Terrassen angelegten Reisfelder in Longsheng in China.

 

Quelle: Le Nouvelliste du 21.10.2016 Text: France Massy, Fotos: Christian Hofmann